Mensch kann die 43 Blauen Bände lesen, um sich einen diesen knallharten
analytischen Blick zu verschaffen: Ja, im Kapitalismus gibt es
Klassengegensätze!
Auf der einen Seite sind die Eigentümer,
Großgrundbesitzer und Machtzirkel. Auf der anderen Seite sind die, die nichts
haben, außer sich selbst. Und sich verkaufen müssen, wenn sie einigermaßen
überleben wollen - vom Schuhputzer, über die Prostituierte, bis hin zum
Honorarprofessor auf Drittmittelakquise.
Wer nicht so gerne liest,
aber gut logisch denkt, kann sich zum Einstieg auch versuchen, ein paar
Antworten auf folgende Fragen selber zu geben.
1. Was ist
Eigentum?
2. Was ist Arbeit?
3. An wen zahle ich Miete? Und
warum?
4. Für wen arbeite ich?
5. Was macht der Staat?
6. Sind
Medienbetriebe unabhängig?
7. Was soll der ganze Quatsch? Geht der Deal für
mich auf?
Der französische Ökonom Thomas Piketty beweist nun das, was
wir alle spüren: Nein, der Deal geht schon lange nicht mehr
auf.
Durch Arbeit kann sich kein Mensch mehr zu Eigentum und damit
bürgerlicher Freiheit „hocharbeiten“.
Der Kapitalismus ist pleite.
Die Arbeitsgesellschaft ist fertig. Die Republik bröckelt. Wir leben in einer
Oligarchie.
Nun ist Piketty als kritischer Ökonom ein guter
Rechercheur und Faktensammler; seine Beweise sind unwidersprochen. Aber er ist
kein guter Autor - und auch kein großer Denker.
Mensch kann sich die
Lektüre des Wälzers einfach sparen: Bitte nicht kaufen! Es reicht, eine
Zusammenfassung zu lesen, um seine wichtigen Erkenntnisse zu erfassen.
Der Paradesozialist Dietmar Dath fragt sich mit seinem Essay, wofür wir Menschen
überhaupt all diese wunderbaren Maschinen erfunden haben, wenn sie uns nicht
mehr dienen?
Sondern aus unseren Betrieben vertreiben, uns arbeitslos
machen, uns die Beteiligung versagen und uns unglücklich
machen.
Dabei ist die Technik doch das, was uns das Leben verbessern
sollte, uns die harte Arbeit erleichtern, damit wir uns mehr um die schönen
Dinge kümmern können!
Wofür haben wir uns sonst die Maschinen gebaut,
nicht?
Der Kulturwissenschaftler Meinhard Miegel zeigt ein Bild unserer verlogenen
Gesellschaft, in die wir ungefragt hineingeboren wurden, und deren
Ekelhaftigkeiten wir auch noch für erbärmliche Gehälter aufräumen
sollen.
Der Autor ist selbst schon reiferen Alters, deswegen seien
ihm einige konservative Rückfälle in seinem Text verziehen. In der Recherche
dessen, was wir vorfinden, ist Miegel allerdings sehr solide und gekonnt
bilderreich. Man kann jedem, der sich Zeit fürs Lesen nehmen möchte, diese
poppig-leichte Lektüre nur wärmstens ans Herz legen.
Warum sollten
wir bei diesem Quatsch, der sich anmaßt, sich Staat, Arbeit und Gesellschaft
einzuverleiben, denn noch mitmachen? Warum?
Der Zwang zur scheinbar selbstgewählten Selbstoptimierung für ein paar Krümel
vom großen Kuchen nimmt gesamtgesellschaftlich immer bizarrere Formen an. Oder
wie schon die Popgruppe »Tocotronic« 1999 dichtete: »Die Ausbeutung des Menschen
erreicht eine neue Qualität / Und wie man allerorten hört, wird die
Gartenbaukunst hier noch gerne gepflegt.«
Die Macht versteckt sich
inzwischen so perfekt in uns selbst, daß es dem Autor Hans-Christian Dany kaum
möglich erscheint, da jemals wieder rauszukommen. Er zieht deswegen den Weg ins
holde Nichts vor, wenn doch jede Idee, jeder Widerstand, jeder Kampf im
Minutentakt über kybernetische Kontrollfunktionen in den Kapitalismus
assimiliert wird.
Lars von Triers Film »Idioten« zeigt übrigens eine
Gesellschaft junger Aussteiger, die sich einer erstarrten Gesellschaft als
geistig Behinderte zeigt, und der es so gelingt, sich der Anpassungslogik zu
entziehen – und soetwas wie Liebe schafft.
Liegt derzeit im Haus
Bartleby immer griffbereit auf dem antiken Sekretär aus feinsten Tropenhölzern
(hier nicht im Bild, das ist der Fußboden).
Eine annehmbare Darstellung dessen, was in uns tobt, wenn wir Gewalt in uns
spüren: Der Krieg um Anerkennung, Ressourcen, Liebe, Geld, Status. Der Philosoph
Byung-Chul Han legt dar, wie der Zwang von Außen nach Innen verschoben wurde
& wir uns heute freiwillig in die Schlacht schlagen, unbezahlte Praktika
machen, Chancen nacheifern und uns selber fertig machen, um an nutzlose und
hässliche Ziele zu gelangen.
Aber Achtung! Die derzeitigen Machthaber
werden die Daumenschrauben wieder anziehen, wenn sie merken, dass wir uns nicht
mehr freiwillig für »Chancen«, »Verwertung« und »Standort Deutschland« knechten
lassen. Aber dies nur am Rande. Wir sind stark, wenn wir einfach trotzdem nicht
mitmachen, einander schützen & uns keine Angst einjagen lassen.
»Wir haben nichts zu verlieren als die Langeweile!« Raoul Vaneigem plädiert mit
den sogenannten Situationisten für eine vielgestaltige, zwangs- und
machtbefreite Kultur des Spielerischen. Gegen die Versicherung, gegen die
Pädagogik, gegen den Terror von Psychologie, Gesundheit und
Normativität.
Leider räumen die Situationisten um Raoul Vaneigem, Guy
Débord und andere in etwas arg elitärer Art und Weise auch mit der Gesellschaft
des Spektakels auf und schreiben in einem kryptografierten Wissenschaftssprech,
der heute oftmals wenig charmant wirkt. Das ist bedauerlich, aber wenn man über
die wenig sinnliche Art und Weise hinwegblickt, entfaltet sich ein präzise
angelegter Paradiesgarten zukünftigen Miteinanders.
Für
fortgeschrittene Karriereverweigerer ein absolutes Lektürevergnügen, wenn man
die inzwischen diversen Vorworte bitte einfach überspringt!
Der Schweizer Autor Kurt Wyss räumt mit dem Mißverständnis auf, Sozialgeld sei
eine Gnade der Gemeinschaft. Das ist es nicht. Sozialgeld ist ein erbärmliches
Taschengeld für jene, die mit Gewalt von den Früchten der Erde ausgeschlossen
werden.
Das wissenschaftliche Buch ist bei aufmerksamer Lektüre für
jeden Verständlich, exzellent recherchiert und liefert alle
Argumentationshilfen, um sich den pöbelhaften Versuchen der derzeitigen
Eigentümer und Machthaber, Entrechtete in eine Bittstellerposition zu zwingen zu
widersetzen.
Ein gutes Buch für Leute, die sich fragen, ob sie sich
schuldig fühlen sollen, weil sie kein Geld oder Eigentum haben.
Oscar Wilde ist der zweit-eleganteste Anarchist des industriellen Zeitalters
& gibt mit seinen Texten bis heute einen funkelnden Steinbruch für die
feinsten Aphorismen ab.
Die Encylopaedia Britannica schrieb 1933 über
sein schmales und intensives Büchlein: »Dem gesellschaftlichen Konformismus, der
Unterwerfung unter die Autorität, stellt Wilde in seinem Essay die individuelle
Kreativität des Künstlers gegenüber. Der Aufsatz ist ein hymnisches Credo des
unbedingten, unbeugsamen, aber völlig friedliebenden, antiradikalen
Individualismus, in dem Wilde die Ideale des Hellenismus in moderner sozialer
Form erneuert sah und in dem seine ganze ästhetische Geisteshaltung
wurzelte.«
Dem können wir nur beizupflichten & haben so Einiges
hinzuzufügen!
Bartleby stellt die Arbeit ein. Er ist ein junger Gehilfe in einer
Anwaltskanzlei an der New Yorker Wall Street & hat schlichtweg keinen Bock
mehr auf entfremdende, entwürdigende und letztlich zwecklose
Arbeit.
Er richtet sich in seinem Büro häuslich ein, tritt
selbstsicher in eine Art bunten Streik, und tut, da sich die Besitzverhältnisse
nicht ändern, schließlich einfach gar nichts mehr.
Die unterhaltsame
und zunächst verstörende Schrift Herman Melvilles ist leicht zu lesen &
beginnt im Dunkeln zu leuchten, sobald man sich ein anderes Ende für sie
ausmalt. Der Philosoph Gilles Deleuze geht davon aus, daß die Geschichte nicht
auf dem Papier ende, sondern in der Vorstellungskraft des
Lesers.
Gehen wir davon aus: Bartleby gehört sich selbst. Er ist
nicht bereit, sich den Machtspielchen um Besitz, Abhängigkeit, Eigentum,
Qualifikation und Reputation zu unterwerfen, die immer nur den eh schon
Mächtigen dienen, die bei näherer Betrachtung doch auch nur dieselben
erbärmlichen Idioten sind.
Bartleby macht einfach nicht mehr mit. Er
wirft dabei ein Schlaglicht auf den Beginn eines anarchischen Zeitalters, das
Ende der industriellen Epoche und ein Leben ohne Zwang. Da er das in der Zeit
des Manchester-Kapitalismus nicht überlebt, ist er ein Märtyrer der
Literatur.
Godfrey Laurence sagte über die Figur des Bartleby:
»Bartleby ist ein Heiliger! Eine solitäre Explosion der Liebe!«
Das Buch versammelt wunderbare High Potentials anarchischen Denkens gegen den
Wahn von Gesundheit, Enthaltsamkeit und Funktionalität. Es lebe der
Genuß!
Das Standardwerk der Hamburger Szene um eine seltsame
Cocktailbar und Bühne am Fischmarkt wurde von zwei deren Zauberern
herausgegeben, betextet & winkt den Leugnern schonmal vorab mit der
Guillotine.
Kuckuck!
Die literarischen Qualitäten dieses
hervorragenden Kleinodes zeitgenössischer Schriftkunst sind gut getarnt in einen
eleganten Leineneinband mit Golddruck. Und zur weiteren Verwirrung mit einem
praktischen Appendix ausgestattet, der mit einigen exzellenten Cocktailrezepten
aus der Feder des Herausgebers Anselm Lenz aufwartet.
Das Werk wurde
in den Iden des März 2013 bei der feinen Edition Nautilus verlegt.
John Steinbeck ist ein zurecht berühmter Autor des letzten Jahrhunderts, der
unermüdlich für die Armen und gegen die Reichen geschrieben hat. Das ist
durchaus eine ehrbare Angelegenheit, auch wenn wir uns im Haus Bartleby nicht
ganz einig darüber sind, wie der Nobelpreisträger einzuschätzen
ist.
Einerseits ist sein Anprangern der Ausbeutung vollkommen
zutreffend, andererseits ist sein Plädoyer gegen den amerikanischen Lebenstil
auch etwas langweilig. Na klar, Geld und Zinsen sind nervige Themen, die die
Menschheit früher oder später wird überwinden müssen. Aber mit Annahmen wie der,
daß das Streben nach Geld grundsätzlich »Verletzungen der Seele« anrichte, sind
uns auch zu einfach.
Also auch hier gilt. Nicht Amerika oder sonstwer
ist Schuld an dem Desaster des Kapitalismus. Es ist die Art und Weise, wie wir
auf diesem Planeten leben, lieben, hassen und wirtschaften. Wir sollten diese
finstere Epoche endlich hinter uns lassen, es macht doch eh kaum jemandem mehr
Spaß – und es geht anders. Regeln kann man ändern!
Naja, im Haus Bartleby sind wir ja selten Freunde des üblichen und saisonal
immer neu in andern Farben aufgelegten Pop-Sachbuches. Auch auf den Seiten
dieses Machwerks springen uns keine grundlegend neuen Erkenntnisse entgegen,
auch dieses Buch wird in ein paar Jahren vergessen sein. Warum auch
nicht!
Gleichwohl bringt Benedikt Herles ein paar feine Anekdoten aus
den Assessmentent-Centern des bröckelnden Kapitalismus und zieht deutet durchaus
zutreffende Schlußfolgerungen an. Wir denken das mal zuende.
Wir
müssen unsere kaputten Eliten loswerden. Da sie nicht freiwillig gehen werden,
müssen wir sie wohl absetzen. Da die jungen Menschen aber in der Minderzahl sind
& dazu noch durch Massenuniversität und Television systematisch verblödet
wurden, wird das durch Wahlen nicht zu bewerkstelligen sein.
Was also
tun? - Gehen!
Die Diktatur ist in uns! Entgegen der früheren Annahme, Aldous Huxlouy habe
seinen Roman auf die Heilsversprechen totalitärer Staaten hin geschrieben, in
denen die Bevölkerungen von den oberen 10.000 durch »Stabilität, Frieden und
Freiheit« beherrscht und ausgebeutet werden, geht man heute davon aus, daß wir
die Furchtbarkeiten der modernen Politik selbst erschaffen, jeder Einzelne von
uns.
Die Unterscheidung der Gesellschaft in Kasten (Hauptschule,
Realschule, Gymnasium), die Anführung einiger Weniger »Alpha-Plus« und
demgegenüber völlig entrechtete Sans-Papier, die »Omega-Minuns«, die Versklavung
der gesamten Gesellschaft durch billigen Konsum, dümmliche Sexiness und
sedierende Drogen – in dieser Welt leben wir bereits.
Das Buch ist
zwar Schullektüre, was uns grundsätzlich mißtrauisch macht, wir sind aber im
Haus Bartleby zumeist der Ansicht, daß dieses Werk – ernsthaft gelesen! -
dennoch noch einen progressiven Kern birgt. Und zwar in der
Selbsterkenntnis.
Noch immer ein Buch, um es den Gesundbetern,
Hohepriestern und Glücklichmachern dieser maroden und altersstarren Republik
zwischen die Kiemen zu feuern!
Arno Gruen legt dar, wie unsere Kultur aus freiwilliger Knechtschaft, Weitergabe
des Opferseins und erbärmlichem Ehrgeiz uns auf Selbstverleugnung und Leistung
konditioniert. Und damit Pogrome, Kriege und sogar die Singularität des
Holocausts erst ermöglichten.
Demgegenüber plädiert er auf die
Erforschung der »inneren Kontinente«. Das klingt erstmal nach ekeliger Esoterik,
ist aber in der Lektüre ein sehr konkreter Aufbruch in die Entspannung. Man
könnte fast sagen: Gruen fordert alle Herrscher auf, sich mal kräftig ins Knie
zu ficken.
Ins eigene, wohlgemerkt.
Der literarische Zottelkopf David Foster Wallace macht sich in seinem Essay über
verblödete Elite-Studenten lustig und fordert sie auf, das Denken wieder
aufzunehmen. Schließlich wurden sie jahrelang verbildet und auf die bestehenden
Machtverhältnisse getrimmt.
Wallace trug seine Schrift als Rede vor
600 Absolventen des Kenyon Colleges vor, von denen ihm 87% inhaltlich
zustimmten. Bei einer darauffolgenden Hörverstehensübung kam ans Licht, daß kaum
ein Drittel der Absolventen, von denen sich die Mehrheit überaus sicher zeigte,
uns künftig zurecht zu regieren, die Rede überhaupt verstanden
hatte.
Die Studenten hatten gelernt, das Zuhören zu simulieren und
Meinungsbeiträge abzusondern, wie es entsprechend ihrer späteren Verwendung im
Mittelbau und den Führungsétagen von Politik und Großbetrieben üblich
ist.
Aber Checkung – hatten sie null.
Tom Hodgkinson ist vermutlich der vielbeschäftigste Müßiggänger des Planeten.
Seine Bücher über Muße, Spiel und erhabene Faulheit sind tatsächlich sehr
unterhaltsam & haben sich in diversen Übersetzungen brutal gut verkauft.
Dementsprechend reist er ständig durch die Welt und muß irgendwas vorlesen oder
erzählen. Ein Business.
Dennoch sind wir im Haus Bartleby der
Ansicht, daß dieses Buch eine gute Einstiegslektüre ist, um sich schonmal mit
einer Zukunft ohne Armbanduhr zu beschäftigen. Also einer Welt ohne Machteliten,
in der man auf disziplinierte Weise faul sein kann & unsere doch recht
schöne Erde für das annimmt, wofür sie uns allen zufällig geschenkt
wurde:
Das Leben an und für sich mit Leuten, die sich und alles nicht
so schrecklich ernst nehmen.
Arbeit als Selbstzweck? Nö! - Ein brillantes Standardwerk für die
Selbstermächtigung wider dem vorherrschenden Terror von »Jobmaschine«,
»Wirtschaftswachstum« und »Bitte bewerben Sie sich«! Die Welt gehört uns allen,
uns wird nichts mangeln. Sofern wir uns Ausbeutungsverbrechen und Machtspielchen
entziehen & uns nicht von Politikern in Kriege oder Akademien verführen
lassen.
Das Buch ist quasi die Vorlage zu »Arbeit ist nicht unser
Leben«, obwohl sie erst später in den vielgestaltigen Kanon des Hauses Bartleby
aufgenommen wurde. Immer wichtig: Das hier ist eine hübsche Auswahl an guten
Büchern. Aber die Gewißheit reift in uns selbst. Wir brauchen kein Jobwunder,
wir brauchen keine Chefs, wir brauchen keine Eigentümer. Und wir brauchen auch
nicht Säulenheilige noch Präsidenten.
Haben Sie das verstanden.
10 Menschen flüchten vor der Pest in ein kultiviertes Landhaus & schreiben
in 10 Tagen 100 Geschichten.
Während draußen das Mittelalter in
Tristesse, Krankheit und Niedergang begriffen ist, nehmen die jungen Flüchtlinge
den Epochenwechsel vorweg: Ein heiterer und lebenslustiger
Vorgang!
Die Novellensammlung Giovanni Bocaccios leitete die
sogenannte Renaissance ein & ist eines der wichtigsten Bücher der
Literaturgeschichte.
Wir können ihn nicht besiegen, wir können ihn aber allmählich verlassen, indem
wir unsere Chefs, Besitzer und Eigentümer ignorieren & den Strukturen immer
mehr die Macht über uns entziehen: Den Kapitalismus gibt es gar nicht, wenn wir
ihn nicht mehr akzeptieren. Alle Regeln kann man ändern!
Entlang
ihrer eigenen Erfahrung als Journalistin und Politikberaterin entwirft Alix
Faßmann einen Schlachtplan gegen die Machtverhältnisse in uns – und auf
uns.
Das Buch erschien im März 2014 bei Lübbe und schaffte es als
»Anleitung zur Karriereverweigerung« absurderweise in der Rubrik
»Karrieratgeber« auf Platz 1. Kündigt sich da ein Zeitenwechsel
an?
Neben einer unterhaltsamen Reisebeschreibung gen Italien fächert
sich eine tief ausrecherchierte Kritik an den Machtverhältnissen »in Arbeit«
auf, wird mit dem altherrenfurztrockenen Parteienproporz aufgeräumt & die
rostig röchelnde Altersstarre etablierter Medienbetriebe in erbärmliche
Bröckchen zerschossen.
Am Ende der Streitschrift gegen den Jobmotor
folgt ein erster Ausblick auf das Haus Bartleby, Zentrum für
Karriereverweigerer.
Der Wissenschaftszirkel Club of Rome brachte 1972 seinen „Bericht zur Lage der
Menschheit“ heraus. Darin legen die Physiker, Autoren und Systemanalytiker
Beweise dar, dass das frenetische Wirtschaften des Kapitalismus die Erde
ausplündert, das soziale Gleichgewicht zerstört und das Klima
erhitzt.
Ihre Prognose beinhaltet sogar die Möglichkeit, dass sich
der Mensch bei unveränderter Ökonomie selbst auslöschen
werde.
Meadows, Randes und Kolleginnen gingen davon aus, dass ihre
Forschungen gehört werden würde. Und dass mit den Jahrzehnten sich etwas ändern
würde. 43 Jahre später stellen wir fest, dass sich nichts geändert
hat.
Im Gegenteil.
Der Kapitalismus verheizt weiterhin die
Zukunft aller Menschen. Und riskiert den Bestand der gesamten
Spezies.
Das ist nicht übertrieben. Das ist wirklich so. Die
Forschungsergebnisse bezweifelt heute niemand mehr ernsthaft, zumal alle
systematischen Prognosen von 1972 eingetroffen sind - und teils sogar im Ausmaß
der Zerstörung übertroffen wurden.
Im Wesentlichen geht es um
Folgendes: Wir dürfen nicht mehr Ressourcen verbrauchen, als Ressourcen
nachwachsen. Das heißt, wir dürfen nicht mehr wie die Bescheuerten Kohle und
Erdöl verbrennen, um ein paar hundert Millionen durchgeknallte Reiche durch
Gegend rasen und fliegen zu lassen.
Und warum sollten wir das auch?
Wir werden uns anders organisieren müssen - ohne massenhaft Autos und
Flugzeuge.
So einfach ist das. Also wäre es. Wenn die kapitalistische
Oligarchie uns nicht ständig ihren Vernichtungswillen aufzwingen würde.
Der Earl Grey und Nobelpreisträger Betrand Russell verteidigt die Faulheit und
freut sich auf einen eleganten Sozialismus, in dem die Maschinen die notwendige
Arbeit machen und die Menschen sich besser miteinander verabreden: Die Natur
nicht mehr plündern und generell angenehmer leben.
Wie es Briten aus
besserem Hause oft so schön können, schreibt er unterhaltsam, humorvoll,
gelassen und zu jeder Zeit nachvollziehbar.
Ein göttliche
Kaminlektüre - und in seiner Aktualität nicht zu unterschätzen, Leute!
Patrick Spät hat in Philosophie promoviert - fein gemacht! - und danach ein
wunderbares Buch gegen den Arbeitswahn geschrieben.
„Und, was machst
Du so?“ ist sehr schön verdichtet geschrieben. Jedes kurze Kapitel bringt den
Leser weiter.
Und am Ende hat mensch einen göttlichen kleinen
Parforceritt durch einen lebensbejahenden Anarchismus gemacht.
Auf
das Eigentumsproblem geht Patrick in diesem Buch noch nicht näher ein. Aber das
kann ja noch kommen.
Ein Buch, das wirklich jeder und jedem besten
Gewissens zu empfehlen ist! Ohne Scheiß jetzt!
Chapeau!
Die Encyclopædia Britannica beschreibt
es so:
Der Begriff Nicht-Ort (frz. non-lieu, engl. non-place) bezeichnet ein
Gedankengebäude des französischen Anthropologen Marc
Augé.
Nicht-Orte sind insbesondere mono-funktional genutzte
Flächen im urbanen und suburbanen Raum wie Einkaufszentren (Shopping Malls),
Autobahnen, Bahnhöfe und Flughäfen.
Der Unterschied zum
traditionellen, insbesondere anthropologischen Ort besteht im Fehlen von
Geschichte, Relation und Identität, sowie in einer kommunikativen
Verwahrlosung.
Nicht wahr?
Die Zentrale Intelligenz Agentur war ein ganz nettes Internet-Projekt von ein
paar erfolglosen Freunden. Sie wollten gern als Journalisten und Kommentatoren
arbeiten, aber keine wollte sie haben.
So nutzten sie Ende der 90er
das damals noch junge Internet, um ihr Zeug dort zu verbreiten. Und sie hatten
wirklich ein paar witzige Ideen und eine direktere Sprache. Und wurden schnell
berühmt. Es sei ihnen gegönnt.
Leider sind Juli Zeh, Sascha Lobo und
ihre Kolleginnen heute eine einzige Enttäuschung. Wie so viele haben sie sich an
irgendwelche Staatsparteien verkauft, quasseln das übliche dumme Zeug in
Talkshows oder fallen durch unangenehme Lobby-Projekte für
Infrastrukturmaßnahmen der kapitalistischen Großindustrie auf, die sie als
zugeschaltete Experten allen Menschen „als das neue Ding“ erklären wollen. Ein
schrecklicher geistiger Abstieg.
Immerhin Karen Duve scheint sich
rechtzeitig aus dem alten Klüngel befreit zu haben. Sie lebt seit Jahren
zurückgezogen irgendwo im Wald. In ihrem Büchlein beschreibt sie ihr
Unverständnis gegenüber der Dummheit unserer derzeitigen
Eliten.
Könnte es wirklich sein, dass wir von Holzköpfen in den
Abgrund geritten werden?
Ja. Eben dann, wenn wir dabei mitmachen und
sie in ihrer Logik weitermachen lassen.